VOR: Doldrums, die Zweite

Irgendwie sah es beim Volvooceanrace bis vor wenigen Tagen so aus, als würde es laufen, wie auch bei den letzten Rennen: die Schwerwetteryachten fahren vorne weg und die Leichtwetterfahrer haben das Nachsehen.

Aber jetzt, wo die Doldrums erneut erreicht sind, konnte die Yacht Telefonica Blue ihre Stärken ausspielen und vom 6. Platz, den sie noch gestern inne hatte, bis auf den 2. Platz vor fahren und dabei zum Dritten noch einen Vorpsrung von ca. 25 Seemeilen heraus holen. Der Sponsor der Yacht, die Telefónica S.A. eine spanische Telefongesellschaft, dürfte in Deutschland recht unbekannt sein. Allerdings ist ihre deutsche Tochter O2 hierzulande umso bekannter.

Von Bord der Ericsson 3, die zur Zeit auf dem dritten Platz rangiert, sehen die Doldrums so wie auf dem folgenden Bild aus:


© Gustav Morin/Ericsson 3/Volvo Ocean Race

Dem Erreichen der Doldrums war für einige Yachten eine aufregende Zeit voraus gegangen. Bei Delta Lloyd brach der Großbaum und konnte nur notdürftig repariert werden. Die Yacht läuft quasi nur noch mit halber Kraft und zwischendurch wurde an Bord überlegt, Mauritius anzulaufen für einen Ersatz. Noch gravierender waren die Probleme bei Puma. Hier waren Verstärkungen im Bug gebrochen. Durch die Reparaturen verlor auch Puma wertvolle Zeit und im Endeffekt Punkte am Wertungstor.

Aber auch vor den Yachten liegt noch eine aufregende Zeit. Normalerweise fahren Um-die-Welt-Segler immer außerhalb des Weltgeschehens über die Meere, aber durch die aktuellen Unruhen in Indien und die Diskussion über Piraterie sind sie wieder mitten drin.

Portimao Global Ocean Race

Um-die-Welt-Regatten sind inzwischen meist eine kostspielige Sache, die Kosten für die Kampagnen beim Volvooceanrace und auch beim Vendee Globe gehen gerne in den Millionenbereich, beim VOR sogar in den zweistelligen.

Daß es auch günstiger gehen kann, dachten Josh Hall und Brian Hancock und so setzten sie sich 2005 zusammen und erdachten das Portimao Global Ocean Race. Gesegelt wird hier auf Yachten der Class 40 (Class40 association / Class 40 Racing), die allein schon wegen ihrer geringeren Größe günstiger als die VOR 70 oder Open 60 sind. Weitere Kosteneinsparungen wurden erreicht, indem die Konstruktion einfacher gehalten wurde, ein Schwenkkiel ist beispielsweise nicht erlaubt. Serienschiffe kosten ab ca. 150.000 EURO und Einzelbauten in etwa das doppelte.

Die Klasse hat inzwischen eine relativ große Verbreitung (vor allem in Frankreich) gefunden, zum Portimao Global haben sich aber nur 6 Yachten eingefunden, die als 2 Einhand- und 4 Zweihandcrews am 12.10. starteten (einen Tag nach dem Start zur ersten Etappe des VOR).

Als erstes Schiff kam das deutsche Schiff Beluga Racer in Kapstadt an, daß vom auch im 505 erfolgreichen Boris Hermann und Felix Oehme gesegelt wurde (Interview im Spiegel: Man liegt immer auf der Lauer). Hauptsponsor der beiden ist die Bremer Schwerlastreederei Beluga Shipping GmbH, die auf ihren Frachtern mit Skysails-Lenkdrachen experimentiert, um Kraftstoff einzusparen. (Solange die Winde wehen)

Heute kam mit der Roaring Forty allerdings auch schon der erste Einhandsegler nach Südafrika und war damit nur ca. 2 Tage langsamer als Beluga Racer.


Roaring Forty storms into Cape Town – Brian Hancock photo

Regatta beendet

Irgendwie liegt auf den Teilnahmen von Alex Thomson (Schiff Hugo Boss) am Vendee Globe kein guter Stern, denn schon wieder musste er das Rennen vorzeitig aufgeben. Er hofft nun auf das nächste in 4 Jahren. Thomson muß das Rennen  aufgeben, da die Schäden, die die Yacht in der Biskaya erlitten hat, nicht mehr bis zum nächsten Mittwoch (19.11. – letzten Startmöglichkeit), repariert werden können.


© PHOTO : OLIVIER BLANCHET / DPPI / DPPI / Vendée Gl

Neben Thomson waren aber noch weitere Segler von schweren Schäden an den Tagen nach dem Start betroffen. Die Biskaya forderte ihre Opfer und so verloren einige ihren Mast, hatten Probleme mit der Schiffstruktur oder mit Feuchtigkeit in der Elektrik. Insgesamt 4 Segler haben das Rennen bisher aufgegeben, 2 liegen aber noch in den Häfen von Les Sables d’Olonne und La Coruna.

Ausfälle kurz nach dem Start sind beim Vendee Globe aber durchaus normal, zumindest wenn der Start mit sehr viel Wind erfolgt. Wobei es eigentlich bei fast allen Starts viel Wind gab, außer 2004: Back to the Start: History Repeats Itself

Die ersten haben inzwischen Madeira hinter sich gelassen und fahren mit 12 bis 15 Knoten einen südwestlichen Kurs. Für alle, die jetzt nicht dran hängen, wird die Lücke nach vorne jetzt schnell größer, da bei ihnen derzeit weniger Wind weht als an der Spitze.

Alleine um die Welt

Die Segelwelt wird zur Zeit vor allem durch die Berichterstattung vom Volvooceanrace (VOR) in Atem gehalten. Das ist bereits seit ca. 1 Monat am Laufen und gilt als die härteste Mannschaftsregatta der Welt. Die Teams befinden sich jetzt in Kapstadt und werden am kommenden Wochenende zur zweiten Etappe starten.

Daß das VOR aber nicht das Ende der Fahnenstange bedeutet, wenn es um härteste Belastung von Mensch und Material geht, beweisen immer wieder die Einhandsegler auf ihren Regatten. Eine davon, die Vendee Globe, startete gestern in Les Sables d’Olonne in Nordwestfrankreich.

Die 30 Starter des Vendee Globe begaben sich auf einen Nonstop-Trip um die Welt, der sie zunächst durch die herbstliche Biskaya mit ihren gefürchteten Wetterbedingungen und dann weiter auf der klassischen Weltumseglerroute vorbei an den 3 Kaps führen wird.


© Jacques Vapillon / DPPI / Vendée Globe

Vendee Globe

Einmal um die ganze Welt

VOR: Ende der ersten Etappe

Mit dem Zieleinlauf von Telefonica Black heute um 16:43 GMT wurde die erste Etappe des Volvooceanrace beendet. Zwischen dem ersten und dem letzten lagen fast 2 1/2 Tage. Wobei Telefonica Black durch Schäden am Schiff gebremst wurde.

Führender in der Gesamtwertung ist der Etappensieger Ericsson 4, Puma und Green Dragon lauern auf den folgenden Plätzen.

Der Start zur zweiten Etappe soll bereits am 15. November stattfinden. Für einige Teams bedeutet das noch eine Menge Arbeit.

Die zweite Etappe führt die Segler auf Neuland, denn im Gegensatz zur klassischen Route, die in Richtung Osten nach Australien geführt hat, geht es wieder zurück über den Äquator ins indische Kochi (Indien)/Cochin.

VOR: Willkommen in Kapstadt


Rick Tomlinson / Volvo Ocean Race

Nach der unglaublichen Zeit von nur gut 3 Wochen erreichte Ericsson 4 heute kurz vor 6.00 Uhr die Ziellinie der ersten Etappe in Kapstadt. Ericsson 4 erweist sich damit auch als dominierende Yacht im ersten Abschnitt, denn nachdem 1 Crewmitglied auf den Kapverdischen Inseln wegen Knieproblemen abgesetzt wurde, lag die Yacht relativ weit hinter dem Ersten.

Auf dem suedlichen Atlantik konnte die Ericsson 4 allerdings die Spitze wieder übernehmen, stellte dann noch mit über 600 Seemeilen für Einrumpfyachten einen neuen Rekord bei der gesegelten Strecke an einem Tag auf (etmal) und ist mit mehr als 100 Meilen Vorsprung auf den zweiten PUMA in Kapstadt angekommen.

PUMA wird diesen Zweiten wohl auch ins Ziel bringen können, da mehr als 200 Meilen bis zum Dritten auch bei vor der Küste abnehmendem Wind reichen sollten, dahinter wird es aber spannend.

Ericsson 4 celebrates in Cape Town